War das der Generationswechsel?

• HSV Alzey 2 - HSV Sobernheim 3 32:26

Willkommen in einer der wirtschaftlich interessantesten Handballligen Europas.

War das der Generationswechsel?

HSV Alzey II : HSV Sobernheim III 32:26

Vorfreude allenthalben, gut anderthalb Jahre nach dem letzten Heimspiel der Herren 2 am 07.03.2020 war die Anspannung im Vorfeld mit Händen greifbar. Erstmals wieder vor Zuschauer spielen, diese Aussicht motivierte im Vorfeld alle, sodass im Training ein erbitterter Kampf um die Positionen bzw. Kaderplätze geführt wurde.

Natürlich gab es weiterhin, coronabedingt, die ein oder andere Einschränkung, aber, dass nahmen die HSV-Fans gerne in Kauf. 2G hieß das Zauberwort, welches keinen Schrecken verbreiten konnte, denn 2G (gucken und genießen) hatte unsere Fanbase auch vor Corona schon verinnerlicht. So verwunderte es auch nicht, dass alle letztjährigen Dauerkartenbesitzer von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch machten.

Keine Planung ohne organisatorisches Missgeschick, im Deutschland des Jahres 2021 eher die Regel als die Ausnahme. Die Verwaltung ging von einem Hochrisikospiel aus und hatte deswegen die Zuschauertribüne mit einem Schutzzaun vor gegnerischen Hooligans versehen, eine völlig überzogene Maßnahme. Spiele der Herren 2 gleichen eher dem „Woodstockfestival-Motto“: Love, Peace and Punktomat.

Es kam, wie es kommen musste. Lange Schlangen vor den Einlässen, liesen erahnen, wie handballerisch ausgezehrt viele Fans waren. Dennoch gelang die Einlassabfertigung zügig, einzig am Eingang für die VIP-Logen hakte es anfangs ein wenig. Unser neuer Trainer Torsten Hanzlik sprang dafür aber sofort in die Bresche, begrüßte jeden Einzelnen mit Handschlag und stellte sich persönlich vor.

Verwunderung bei unseren zahlungskräftigsten Sponsoren lösten aber seine rigorosen Zulassungsrichtlinien aus. In seinem ersten Leben musste er wohl als Türsteher bei einer Diskothek gearbeitet haben (Du kommst hier nicht rein….).

Doch als es dann losging waren auch diese Kleinigkeiten zu Nebengeräuschen verkommen. Lautstark begrüßt von unserem stimmgewaltigen Anhang rieben sich viele der Anwesenden verwundert die Augen, als sie den Kader für die Partie sahen.

Was sich in der Saisonvorbereitung schon angedeutet hatte setzte unser Neucoach nun gnadenlos um. Auf dem Feld stand weitestgehend ein Team von lauter „Jungspunden“. Clemens Kreisel, Flo Kosiol, Robert Dvorak und selbst unser König Markus Frey schafften es nicht in den finalen Kader. Unter vorgehaltener Hand munkelte man etwas von „punktuell unzureichenden Trainingsleistungen“, was aber in den letzten Jahren noch nie als Hinderungsgrund herhalten musste.

Egal. Als Herren 1 Neucoach Sascha Brauns, als Schiedsrichter die Begegnung mit dem erfolgten Anpfiff frei gab, war die Marschrichtung schnell erkennbar. Aus einer traditionell nicht sattelfesten Abwehr sollte es ebenso traditionell „e bisje flotter“ nach vorne gehen. Beides klappte so „lala“, aber die Jugend zeigte schnell, dass sie ihre erkämpften Kaderplätze so schnell nicht wieder hergeben wollen. Toto Witzler gelang bereits nach 35 Sekunden der Premierentreffer zur 1:0 Führung. Doch die Sobernheimer Gäste, gewohnt kompakt, gewohnt ballsicher und mit annähernd 1000 verschiedenen Spielzügen ausgestattet, hielten dagegen.

Ein durchaus flotter Beginn, unterstrich die 5:2 Führung des HSV-Talentschuppens nach 6 Minuten. Weitere sechs Minuten später war beim 8:6 erkennbar, heute könnte es ein Torfestival geben.
Witzler, Ahr der Jüngere, Witzler und es hieß 11:6, nach einem verwandelten „Fuchs-Siebenmeter“ zum 12:8 zogen die Gäste die erste Auszeit. Anerkennender Beifall begleitete dies von den Rängen, Zeit für die Fans zum Verschnaufen und der neugestalteten Verkaufstheke einen Besuch abzustatten. Da ist ein feines Plätzchen für die Zukunft entstanden, da waren sich alle einig. Durch minimale Veränderungen entstand eine repräsentative Location die sich auch vor den großen Eventhallen in unserem Land nicht verstecken muss.

Zurück zum Spiel.

Es hatte sich im donnerstäglichem Abschlußtraining schon angedeutet, da war er quasi nicht zu bremsen und es klappte (nahezu) alles, sehr zum Leidwesen der Herren 1, die als Sparringspartner dienten. Timo Seibel traf spektakulär zum 13:8. Es folgten drei Treffer durch die Trainingsanwesenheitsweltmeister Fuchs und (Thomas) Müller, Spielstand 16:9.
Der letzte Treffer vor dem Pausenpfiff war Tim Nickel vorbehalten, 20:13 stand auf der Anzeigetafel, die Fans, solange sie mit dem HSV Alzey sympathisierten, waren zufrieden.
Die „Pausenandacht“ durch den Coach geriet zur Nebensache, wohl selbst euphorisiert ob des Spielstandes, gab es eine Fülle von Informationen für die zweiten dreißig Minuten, die umgesetzt werden sollten.

Allerdings sind die Herren 2 dafür bekannt vorhandene Interpretationsspielräume weidlich auszunutzen.

Also keine langen Diskussionen und weiter ging`s. Man könnte es als verhaltenen Beginn bezeichnen, jedenfalls drängte sich der Eindruck auf das die erste Halbzeit viel Kraft gekostet hatte. Gerade unsere neu hinzu gestoßenen Spieler (Ahr der Jüngere, Nickel, Witzler) sind dieses Tempo natürlich nicht gewohnt, da hieß es erstmal durchschnaufen.

Und der Gegner?, spielte jetzt seine mannigfaltige Erfahrung aus, verkürzte den Abstand (22:18) und lies sich nicht final abschütteln. Raketenmax und Sascha (Erfinder des Peitschenwurfes) Weinmann hatten was dagegen (25:19). Es waren die Aussen, bei den Herren 2 traditionell in großer Anzahl vorhanden, die jetzt die Akzente setzten. Das kontinuierliche Training für diese Positionen trug nun Früchte. Der wieselflinke Thomas Müller zum 27:22 und 30:23 stellte die Weichen nun endgültig auf Heimsieg. Die letzte HSV-Auszeit diente nur noch einmal des finalen Verschnaufens. Eine überaus faire Partie mit einem umsichtigen Schieri Sascha Brauns, endete mit 32:26, für unsere Verhältnisse ein regelrechtes Scheibenschießen.

Wobei unsere beiden eingesetzten Torhüter (Guido und Jürgen) hinter einer zuweilen arg löchrigen Abwehr nur schwer glänzen können, es letztlich aber immer wieder tun.

Der Saisonstart darf also als geglückt bezeichnet werden und wurde von 15 Punktomatpunktejägern im „Restaurant“ des Alzeyer Würzhauses veredelt.
Am kommenden Samstag den 25.09.2021 um 16.50 Uhr steht bereits die nächste Heimpartie gegen den HSC Ingelheim III an, bis dahin soll der Hooliganzaun in der Rundsporthalle auch wieder entfernt sein. Somit kann dann auch sicherlich wieder gewährleistet werden das alle verfügbaren Sitzplätze, ihre eigentliche Bestimmung erfüllen können.

Doch wer weiss das schon, manchmal neigen Verwaltungen dazu abstruse Ideen aus ihrer „gleichnamigen Werkstatt“ auf Umsetzbarkeit in der Praxis zu testen. Leidtragende sind dabei oftmals Personen mit gesundem Menschenverstand. Sei´s drum, wir stellen uns der sportlichen Aufgabe und blicken gespannt (entspannt ?) zu den unsäglichen Coronazahlen. Ein Gegner mehr den es zu bekämpfen gilt, auch das wird uns gelingen, denn der Talentschuppen des HSV Alzey ist dafür bekannt auftretende Probleme auf hemdsärmelige Weise zu lösen.

HSV Alzey:
Tor: Guido Schmidt und Jürgen Söhnle
Feld: Sascha Weinmann (3), Max Laubner (2), Thomas Müller (4), Thorsten Witzler (4), Volker Ahr, Janosch Ahr (6), Michael Müller (1), Tim Nickel (1), Ecky Hofrath (3), Timo Seibel (1), Lukas Fuchs (7/4)