Personelle Konsequenzen tragen Früchte

• HSV Alzey 2 - TV Nierstein 3 21:20

Willkommen in einer der wirtschaftlich interessantesten Handballligen Europas.

Personelle Konsequenzen tragen Früchte

HSV Alzey II : TV Nierstein III 21:20

Es waren steinige Trainingstage, die derbe Klatsche bei den „Schott-Handballern“ wirkte nach.
Aufgrund der zeitlichen Pause zwischen den beiden Spielen lies der, immer noch, verärgerte Headcoach einige hochanspruchsvolle und belastende Trainingseinheiten durchführen.

Damit aber noch nicht genug.

Als die Edelfans im Verköstigungszelt vor der Halle das Programmheft zum Spieltag studierten, glaubten sie an einen Druckfehler. Nachdem der Hallensprecher dann aber die Mannschaftsaufstellung bekannt gab, ging ein Raunen durch das weite Rund.

Das war mal eine Ansage!

Der Teamchef hatte seine Androhung wahr gemacht, die angekündigten Konsequenzen waren nun für jeden ersichtlich.

Die Torhüter des Schott-Spieles erhielten keine Berücksichtigung mehr, stattdessen hieß das neue Duo zwischen den Pfosten Schipp und Söhnle.

Die beiden ältesten Spieler wurden ausgemustert, man munkelte etwas von Denkpause.

Aber, dass Leistung sich auch lohnt zeigte die Nominierung von Flo Kosiol, regelmäßiger Trainingsbesuch zahlt sich eben doch aus. Lukas Fuchs, eine langwierige Verletzung wurde durch den nimmermüden Einsatz unserer Physioabteilung beseitigt, rutschte endlich wieder in den Kader.

Und dann noch ein, nicht nur die Gegner verwirrender Schachzug, Guido Schmidt sollte mit Timo Seibel die Kreisposition bekleiden.

Generelle Skepsis aber bei den Fans, wenn das schief geht kann er sich nach dem Spiel gleich „seine Papiere“ abholen.

Zusätzliche Verunsicherung entstand durch das Gerücht, das reaktionäre Zellen die Wiederbelebung einer Herren-3-Mannschaft im Hintergrund vorantrieben.

Doch das alles waren nach dem Anpfiff des Unparteiischen Felix Rose erst einmal Nebenkriegsschauplätze.
Die Gäste aus Nierstein auch nicht vollzählig angereist, beeindrucken aber schon seit Jahren durch ihre generelle Eingespieltheit.
So war es wenig überraschend das diese erst einmal den Ton angaben. Druckvolles Spiel im Rückraum eröffnete ihnen immer wieder relativ freie Wurfmöglichkeiten, wenig verwunderlich dann auch deren 6:4 Führung.
Doch der HSV hielt dagegen, nach Markus Frey´s Anschlusstreffer hatte man mehrmals die Möglichkeit nachzulegen. Was in dieser Phase aber an freien Chancen verballert wurde sprengt jede statistische Erfassung. Zwar lief das eigene Gegenstoßspiel überraschend gut, Aufwand und Ertrag standen aber in keinem Verhältnis.
Im schnellen Spiel nach vorne verdienten sich aber Thomas Müller, Dennis Konrad und „unsere Rakete“ durchaus Fleißsternchen.

Apropos „Rakete“.

Seine angebrachte Kritik vor der letzten Partie fiel wohl auf fruchtbaren Boden. Der Trainer der Herren 1, Sascha Brauns, beobachtet ihn schon länger. Jetzt war es an der Zeit seinen nimmermüden Einsatz mit einer Nominierung für die Partie der ersten Herren gegen Büdesheim zu honorieren. Damit war er am 5.Spieltag bereits der 20 Spieler der für „die Erste“ auflief. Inwieweit dies mit einer Auszeichnung/Geschenk honoriert wurde konnte auf die Schnelle leider nicht recherchiert werden.

Zurück zum Spiel.

Konter hin, Konter her, es zählen in dieser Sportart nur die erzielten Tore. Und beim 8:11 sah sich der Teamchef genötigt eine Auszeit zu nehmen.
Zwar gelang Lukas Fuchs mittels Siebenmeter postwendend der Treffer zum 9:11, doch die Niersteiner waren weiter das kompaktere Team, Konsequenz daraus war eine 14:11 Führung.
Ein zum Abschluss der ersten Hälfte verworfener Fuchssiebenmeter besiegelte den Halbzeitstand.
Halbzeitansprache.

Nicht alles was da so gesagt wurde verinnerlichten die Protagonisten, aber das ist bei uns gute Tradition.

Immerhin wurde durch die Abteilung Gegenstoß ( Kosiol, Konrad, Müller der Schnelle ) der Halbzeitrückstand postwendend egalisiert (14:14). Und ab jetzt ging es nur noch mit wechselnden Führungen weiter, keinem Team gelang es sich jetzt entscheidend abzusetzen. Dies lag auch an den beiden Torhütern, die mehrere klare Einwurfchancen vereitelten.

Die Begegnung wogte hin und her und der Teamchef zog 15 Minuten vor Ultimo sein letztes Trumpfass. Sascha Weinmann sollte nun die linke Außenbahn beackern und den Gegner da massiv unter Druck setzen. Gesagt, getan. Erzielte Flo Kosiol noch den 16:16 Ausgleich, war Sascha beim 17:17 direkt „on Fire“.

Lukas Fuchs legte zum 18:17 vor, doch die Gäste waren kurze Zeit später mit 19:18 vorne, ein weiterer Fuchstreffer besiegelte den nächsten Ausgleich (19:19).

Auszeit TV Nierstein

Und danach deren Führung zum 20:19, die vorentscheidend ausgebaut hätte werden können. Knapp 4 Minuten vor dem Ende vergaben die Gäste aber einen Siebenmeter, der amtierende Würfelkönig Markus Frey traf im Gegenzug zum Ausgleich.

55 Sekunden vor Abpfiff dann die letzte HSV-Auszeit. Auf der Taktiktafel skizzierte der Coach auf welchen Spielzug er gerne sehen würde. Es war klar, dass die Verantwortung für den letzten(?) Abschluss nur von einem der stressresistentesten Spieler durchgeführt werden könnte.

Spielzug „Krakenarm links“ sollte es richten.

Und es war die richtige Entscheidung. Anstoßen von Rechtsaußen und den Linksaußen in Schussposition bringen.
Und sofort wurde deutlich, das ist für Nierstein unmöglich zu verteidigen. Als der letzte Pass auf Sascha gespielt wurde hatten die Ersten den Torschrei schon auf den Lippen, sie sollten nicht enttäuscht werden. Starkes 1 gegen 1, freie Schussbahn und ein unnachahmlicher Dreher ins Tor, Wahnsinn.

Keine Zeit zum Jubeln, zurück in die Abwehr und da noch einmal den letzten Angriff der Gäste gestoppt.
Regelkonform?, die Kamera des übertragenden Fernsehsenders gab keinen zweifelsfreien Aufschluss.
Abpfiff und Jubel, glücklicher(!) oder verdienter (?) 21:20 Sieg. So irgendwas dazwischen.

Der Coach frohlockte und diktierte den anwesenden Pressevertretern folgendes Statement.
„Bei mir zählt nur die Leistung“. „Alle die heute nicht gespielt haben können sich im Training neu beweisen“. “Wer von der Bank kommt muss brennen“. „Mit so einer Larifarispielerei wie in Schott gewinnst du in keiner Liga ein Spiel“.

Der Tag klang in einem Edelschnitzelrestaurant aus, das Team bereitet sich auf die nächste Aufgabe vor, die hat es in sich.

Am Sonntag um 18.50 Uhr in der RS kommt es zum absoluten Topspiel zwischen dem derzeitigen Tabellenzweiten ( HSV Alzey II ) und dem Tabellenführer HC Gonsenheim IV.

Soweit ich mich erinnern kann können wir kein Top-Spiel……, Schott lässt grüßen… .

Alles andere sehen wir dann in der Halle. Für die Partie gibt es ein kleines Restkontingent an Eintrittskarten, welche an den üblichen Vorverkaufsstellen erwerbbar sind.

Dem Coach verzauberten an dem Tag

Tor: Christian Schipp und Jürgen Söhnle

Feld: Sascha Weinmann (2), Max Laubner (1), Thomas Müller(4), Guido Schmidt, Dennis Konrad (1), Florian Kosiol (3/1), Markus Frey (3), Michael Müller, Timo Seibel, Lukas Fuchs (7/2)