53 Jahre Jugendarbeit im HSV Alzey

Unsere Jugendarbeit wird beim HSV groß geschrieben.
Folgende Schwerpunkte haben wir uns für die bevorstehende Saison gesetzt:

- mindestens zwei Trainer pro Mannschaft
- 4 Tage Handballcamp in den Sommerferien Jahrgang 2006-2011
- 3 Tage Power-Camp in den Herbstferien 11-16 Jahre
- alters- und mannschaftsübergreifendes Training im weiblichen und männlichen Bereich
- Ausbildung von Jugendschiedsrichtern
- Jugendfreizeit

Der Versuch eines Rückblicks

von E. Hofrath

Am 03.04.1964 trafen sich im Lokal „Bavaria“ in Alzey, zwanzig Handballer, die wegen Differenzen aus der Handballabteilung des TV Alzey ausgetreten waren, um einen handballtreibenden Verein zu gründen. Es handelte sich hauptsächlich um relativ junge Spieler, die weiterhin nicht auf ihren geliebten Handballsport verzichten wollten. Dies konnte aber nur in einem neuen Verein verwirklicht werden, da man nicht gewillt war, in auswärtigen Vereinen zu spielen.

Die obigen Zeilen wurden aus der HSV-Festschrift zum 25 jährigen Jubiläum im Jahre 1989 entnommen. Seitdem ist viel passiert, sowohl im Innenverhältnis zu unserem „Stadtrivalen“ als auch in unserer Jugendabteilung. Nachfolgend soll, aus der Sicht eines „Zugezogenen“, aufgezeigt werden, wie steinig die „ersten Jahre“ waren, aber auch welcher Stellenwert die Jugendabteilung in den Folgejahren erlangte, ohne einen Anspruch auf absolute Vollständigkeit zu erheben

Die Leitung der Jugendabteilung

Überraschenderweise hatte man im ersten Jahr seines Bestehens die Funktion des Jugendwartes/Jugendleiters im Vorstand gar nicht besetzt. Erst im Jahre 1966 wurde ein Trio (D. Mahler, Otto Weyrich und Georg Hofmann) installiert, die gemeinsam den Jugendspielbetrieb leiten sollten. In den Jahren 1968–1976 wurde das Amt von unserem späteren Ehrenvorsitzenden Günter Kantz ausgeführt. Ihm folgte Heinz Lohr, der den Stab 1982 an seinen Sohn Jürgen Lohr weiterreichte. Markus Rohschürmann (1984-1986), Andreas Forg (1986-1988) und Werner Geißel (1988-1990) verrichteten jeweils eine Amtszeit bis im Jahre 1990 Herbert Koob die Geschicke bis 1996 leitete. Danach war noch einmal Werner Geißel aktiv (1996-1998) ehe Eckhard Hofrath im Jahre 1998 das Amt übernahm, welches er bis September 2016 bekleidete. Nachdem Eckhard riesen Fußstapfen hinterlies wurden die Strukturen im HSV verändert. Seit 2016 kümmern sich Anke Walldorf-Schäfer, Melanie Schmidt und Jens Held mit Unterstützung von Marion Freitag um Jugendabteilung und die Aktiven .

Die Entwicklung der Jugendabteilung

In den nun folgenden Zeilen soll versucht werden die Entwicklung der Jugendabteilung aufzuzeigen, wobei gerade die ersten Jahre relativ schwierig zu recherchieren waren. Ein Dank hierfür an Werner Geißel, der selbst bereits in mühevoller Kleinarbeit, wichtige Eckdaten erarbeitet hatte und diese folglich zur Verfügung stellen konnte.

Im Gründungsjahr 1964 war an einen geregelten Jugendspielbetrieb noch nicht zu denken. Erst 1965 nahm man mit einer Schüler und einer Jugendmannschaft am Verbandsspielbetrieb teil (eine Einteilung in F-A-Jugend gab es damals noch nicht). In der Saison 1966/67 hielt jedoch auch diese Klassifizierung Einzug in den Jugendhandball. In diesem Spieljahr gab es bereits 4 männliche Mannschaften (D, C, B + A-Jugend) die für den HSV Alzey aktiv waren. Die A-Jugend belegte dabei den 3.Platz in ihrer Altersklasse. Gespielt wurde damals noch auf dem Großfeld, wer weiss heute noch wie das geht ? Die anderen 3 Teams machten bereits Erfahrung mit dem Kleinfeld, das in den Folgejahren das Großfeldspiel, auch Feldhandball genannt, völlig verdrängen sollte. Nach der Saison 1968/69 konnte sich erstmals eine Jugendmannschaft (B-Jugend) des HSV Alzey mit dem Titel eines Rheinhessenmeisters schmücken. Hieran, als Spieler beteiligt, waren unter anderem unsere heutiger Kassierer Werner Geißel sowie Otto Regner. Es folgten einige Jahre der zahlenmäßigen Stagnation, die Festschrift zum 20 jährigen Vereinsjubiläum sprach sogar von einer Neugründung der Jugendabteilung im Jahre 1971. Trotz der Meldung von ca. 50 Jugendlichen war erst in den Jahren 1973/74 wieder ein mannschaftsmäßig relevanter Aufschwung zu verzeichnen. A, C und D-Jugend waren besetzt, die E-Jugend errang die Rheinhessenmeisterschaft. Gleiches schaffte im der folgenden Saison die D-Jugend, während dies der C-Jugend nach zwei verlorenen Entscheidungsspielen gegen Osthofen (9:11) und Leiselheim (7:8) verwehrt blieb. Die Rheinhessenmeister der C-Jugend in der Saison 1975/76 und 1976/77 kamen jeweils vom HSV Alzey.

Mittlerweile hatte sich das Handballspiel endgültig in die Halle verlagert, die Eingangs erwähnte Variante des Großfeldspiels war nur noch Nostalgikern vorbehalten, ein Spielbetrieb wurde nicht mehr aufrechterhalten. Die Jugendabteilung stand nun auf soliden Füßen. 1977/78 konnte man mit 5 Mannschaften an den Rundenspielen teilnehmen, wobei die B-Jugend wieder eine Rheinhessenmeisterschaft nach Alzey holen konnte, diese zahlte aber bei den damit erstmals ereichten Spielen um die SWHV-Meisterschaft noch Lehrgeld. Dies war aber nur die Ouvertüre, ein Jahr später sollte der Name Alzey deutschlandweit für Schlagzeilen sorgen. Die B-Jugend wurde wiederum Rheinhessenmeister, errang ebenso die Südwestdeutsche Meisterschaft und spielte damit um die Deutsche Jugendmeisterschaft. Gegner war der Süddeutsche Meister TSV Grabenstetten, welcher am 20.05.79, seine Visitenkarte in Alzey abgab. Als Spieler in den Reihen des HSV glänzten damals Andreas Forg, Jens Held (heute Trainer der weiblichen A-Jugend) sowie Michael Stoll. Auch wenn man gegen den Südvertreter die Segel streichen musste, belegte man zusammen mit Berlin den gemeinsamen 3. Platz der Deutschen Jugendmeisterschaft. Dies bedeutete für den Alzeyer Handball einen Erfolg, der bis zu diesem Zeitpunkt einmalig war und wohl auch in Zukunft einmalig bleiben wird. Eng verknüpft waren die Erfolge dieses Teams, welches seit der E- bzw D-Jugend zusammenspielte, mit den Namen Gerhard Stephan der die Truppe über Jahre als Trainer formte. Ein Jahr später gelang in der A-Jugend noch einmal die „abonnierte“ Rheinhessenmeisterschaft, wobei hier Manfred Hinkel bereits den Trainerstab von Gerhard Stephan übernommen hatte, der fortan „nur“ noch als Betreuer fungierte. Für die nächsten Jahre bildete der Stamm dieser A-Jugend über lange Zeit das Gerüst der aktiven Mannschaften (darüber aber sicherlich an anderer Stelle mehr). 1980/81 und 1981/82 war wiederum die A-Jugend für zwei Rheinhessenmeisterschaften verantwortlich, doch gerade 81/82 vollzog sich eine tiefgreifende Änderung. Erstmals in der Geschichte des HSV Alzey konnte eine weibliche Mannschaft (A-Jugend) gemeldet werden. Diese kam in ihrer Premierensaison zwar nicht über den 7. Platz von 9 Teams hinaus, allerdings sollte dies eine Initialzündung für die folgenden Jahre ausgelöst haben.

Erst einmal aber trat eine Stagnation ein, die Mannschaftsmeldungen gingen zurück. Von 1982/83 bis 1989/90 wurden in einem Jahr maximal 3 Jugendteams (2x männlich, 1x weiblich) betreut. Hierbei errang die weibliche C-Jugend zwar 1987/88 die Rheinhessenmeisterschaft, ansonsten aber hatte man weder qualitativ noch quantitativ viel zu bieten. In den frühen neunziger Jahren ging es dann wieder langsam bergauf, wobei dabei der weibliche Bereich Mitte des letzten Jahrzehntes förmlich „explodierte“. Unwahrscheinliche Zuwachsraten stellten die Verantwortlichen vor manch organisatorische Probleme, welche aber mit vereinten Kräften und der Hilfe zahlreicher engagierter Eltern bewältigt werden konnten. Einhergehend mit einer signifikanten Steigerung der Jugendmannschaften „purzelte“ es alsbald nur so vor Rheinhessenmeisterschaften. Die weibliche E-Jugend (1996/97, 1997/98, 1998/99), weibliche D-Jugend (1998/99) und die männliche D-Jugend (1996/97) sorgten für bedrohliche Enge im Alzeyer Trophäenschrank, aber es sollte noch „schlimmer“ kommen....... . Im Spieljahr 1998/99 tummelten sich so viele Kinder und Jugendliche in den Reihen des HSV Alzey das dieser die, bis dato, unglaubliche Anzahl von 13 (!) Jugendmannschaften zur Hallenrunde melden konnte. Hinzu kamen jeweils männlich und weiblich, eine zu betreuende Minigruppe und die gemeinsame Ballspielstunde. Mit der männlichen C-Jugend, erreichte erstmals seit dem Jahre 1981/82 wieder eine Jugendmannschaft die Spiele um die Südwestdeutsche Meisterschaft. Nur der Bundesliganachwuchs der HSG Dutenhofen/Münchholzhausen (heute HSG Wetzlar) verwehrte den HSV-Jugendlichen den „Griff nach den Sternen“. Trotzdem war mit der Vizemeisterschaft mehr erreicht, als man vorher erwarten durfte. Im darauffolgenden Jahr gab es seitens des Verbandes eine Änderung. Die jeweiligen Zweiten der Jugendoberligen spielten mit den Verbänden Rheinland und Pfalz den neu geschaffenen Rheinland-Pfalz-Pokal aus, fast überflüssig zu erwähnen das der HSV Alzey gleich in der Premierensaison dieses Wettbewerbes mit zwei Teams vertreten war. Die männliche B-Jugend und weibliche C-Jugend kamen dabei zwar jeweils über den letzten Platz nicht hinaus, dafür errangen die weibliche und männliche D-Jugend die Rheinhessenmeisterschaft.

2000/01 spielt dann erstmals eine weibliche Mannschaft um die SWHV-Meisterschaft. Die C-Jugend war in Rheinhessen konkurrenzlos und hätte man sich nicht gleich im allerersten Spiel im Saarland eine kollektive Auszeit genommen, wäre statt Platz 3, im Endklassement gar eine noch bessere Platzierung möglich gewesen. Im gleichen Jahr war auch die männliche B-Jugend bei der „Südwestdeutschen“ aktiv, belegt aber dort „nur“ den 5.Platz. 2001/2002 werden die männliche D+C-Jugend Rheinhessenmeister, die männliche A-Jugend gewinnt den Rheinland-Pfalz-Pokal. Mittlerweile sind 16 (!) Jugendteams (14 am Spielbetrieb teilnehmende und 2 Minimannschaften) für den HSV Alzey aktiv. Ein Jahr später wird die männliche C-Jugend Rheinhessenmeister, scheitert aber bei den dann folgenden weiterführenden Spielen auf SWHV-Ebene. Im weiblichen Bereich werden die B+C-Jugend jeweils Zweiter beim Rheinland-Pfalz-Pokal.

Zur Saison 2004/2005 erlebt der Jugendhandball eine neuerliche Zäsur. Im Bereich der A+B-Jugend wird die Jugendregionalliga eingeführt, eine Änderung die den Jugendhandball in den nächsten Jahren nachhaltig verändern sollte. Der HSV Alzey betrat hierbei in zweifacher Hinsicht Neuland. Zum Einen wurde die männliche B-Jugend für die Regionalliga gemeldet, zum Zweiten handelte es sich hierbei um eine Kooperation mit dem TV Nieder-Olm. Von vielen argwöhnisch beobachtet und mit der, bei Änderungen/Neuerungen, wohl unausweichlichen Skepsis beäugt, schafft dieses neuformierte Team Platz 2 und übertraf damit alle Erwartungen. Im gleichen Jahr schafft die weibliche C-Jugend ebenfalls Platz 2 beim Rheinland-Pfalz-Pokal.

2005/2006 wird das „Jugendregionalligamodell HSV Alzey/TV Nieder-Olm“ unter dem Dach des TV Nieder-Olm fortgesetzt, die Mannschaft wechselt absprachegemäß komplett in die Selztalgemeinde. Platz 4 im ersten A-Jugend-Jahr ist auch hier als Erfolg zu werten. 11 weitere Jugendteams vertreten den HSV Alzey in der Spielrunde.

Unmittelbar vor Beginn der Saison 2006/2007 platzt dann, weitestgehend unerwartet, unsere „Jugendregionalligaspielgemeinschaft“ in Nieder-Olm. Das „warum“ beschäftigt die Verantwortlichen und „Geburtshelfer“ dann doch eine gewisse Zeit. Hatten die Kritiker im Nachgang dann doch Recht ? Es bleibt die Gewissheit, das man die bestmögliche sportliche Ausbildung für die Jugendlichen bieten wollte, vielleicht aber auch erkennen musste, das man dabei an seine Grenzen gestoßen ist. Die Mannschaft verstreut sich in alle Himmelsrichtungen. Jan Lars Gaubatz schafft über den „Umweg“ der Jugendakademie in Gummersbach und der TSG Friesenheim (2. Bundesliga) den Sprung in die Bundesligamannschaft des altehrwürdigen VFL Gummersbach.

2007/2008 erreicht die weibliche B-Jugend Platz 1 der „Oberliga West“. In zwei Endspielen um die Rheinhessenmeisterschaft unterliegt man dann aber dem TV Nieder-Olm mit 13:16 und 19:27.

Ein Jahr später, 2009/2010, sind 15 Jugendteams aktiv, nimmt man männliche und weibliche Minis und Mini-Minis hinzu, wieder ein neuer Rekord.

Die folgenden Jahre kann diese hohe Anzahl der Jugendteams nahezu konstant gehalten werden. Trotz „politischer Unwägbarkeiten“ mit den Ganztagsschulen, deren Nutzen für die Vereine derzeit nicht messbar ist, gelingt es uns allen immer wieder Kinder und Jugendliche für die Sportart Handball zu begeistern.

Die Saison 2012/2013 endet, mit der verdienten Rheinhessenmeisterschaft unserer männlichen A.Jugend, beim Final-Four in Ingelheim. Die Mannschaft wechselt danach nahezu komplett in den Aktivenbereich und wird dort hoffentlich über einige Jahre das Gerüst des HSV-Aktivenhandballs bilden. Nirgendwo sonst passt der Slogan: „von den Minis bis zur A-Jugend“ besser als bei diesem Team. Auch in Zukunft wird das die „HSV-Richtschnur“ sein, ein Angebot für alle Altersklassen bieten und die Verzahnung zum Aktivenbereich sichern, es bleibt also spannend.

So schließt sich also der Kreis, annähernd 50 Jahre Jugendarbeit sollten hiermit etwas aufgearbeitet werden, ich hoffe das dies einigermaßen gelungen ist. Es bleibt Danke zu sagen, all jenen, die in all den Jahren, oder gar über Jahrzehnte hinweg, ihre Freizeit opferten, um den Kindern und Jugendlichen ein verlässlicher Partner zu sein und somit das Bild des HSV Alzey in der Öffentlichkeit nachhaltig prägten.

Hoffentlich wird auch in der nahen Zukunft, mitsamt den geänderten Rahmenbedingungen im beruflichen und sozialen Bereich, ein Fortführung dieser Arbeit möglich sein, die Zeit wird es zeigen.